Mein Kampf im Einzelhandel

Mal entstauben…

22. September 2009

Lang ist es her, dass ich hier mal was geschrieben habe. Seltsamerweise ist mir auch irgendwie der Stoff ausgegangen, was nicht nur an meinem Urlaub lag. Viel besser, denn direkt im Anschluss an meinem Urlaub hatte der Drache Urlaub. Allerdings hatte dabei unser Laden vor dem Drachen Urlaub, was schon ziemlich geil war. Kein stöhnen mehr, wenn jemand auf seinen Arbeitsplan schaut, alle kommen wieder gerne und mit einem Lächeln auf den Lippen zur Arbeit, man hört wieder hier und da ein Lachen… Adé du schöne Zeit, denn der Drache ist zurückgekehrt. Und wer darf sich wieder mit dem Drachen rumschlagen? Ich natürlich. Drei Tage mit ihr und sowohl mein als auch ihr Urlaub scheint nur noch ein entfernter Traum zu sein. Nach nur drei Tagen, die so unendlich kurz scheinen und doch eine Reise durch die Hölle war (Die Hölle soll ja für die meißten Menschen was schlimmes sein, aber ich halte mich ort öfters auf). Es wird wieder rumgeschrien, Aggressionen werden freien Lauf gewährt und Mitarbeiter bekommen Angstzustände beim Anblick ihres Arbeitsplanes. Aber auch diese abartige Zeit soll schon bald ein Ende finden. Lange Zeit warten wir schon darauf den Drachen in die Wüste zu schicken und auch endlich hat Gott unsere Gebete erhört. Es sind zwar momentan nur Gerüchte, aber unser BL scheint sehr zuversichtlich zu sein. Mal abwarten…

Ein paar Wochen sind seit dem nun schon vergangen und die Gerüchte bekommen langsam Hand und Fuß. Unsere Chefin hatte vor kurzem eine Woche Urlaub und hat mir alle Aufgaben übertragen, da selbst sie dem Drachen nicht mehr vertraut (zur Erinnerung: Der Drache steht in der Hierarchie zwei Ränge über mir und hätte statt mir die Urlaubsvertretung). Für mich hieß es dann zwar Überstunden kloppen, aber das war es mir wert. Leider ist aber die Entscheidung, ob der Drache nun geht oder nicht, noch immer nicht gefallen. Die Entscheidung wird erst diese Woche getroffen, aber so lange werden wir es noch aushalten. Immerhin ist sie mittlerweile schon fast handzahm

Wenn sich etwas tut, kann jeder fleißige Leser meines Blogs es hier nachlesen. In naher Zukunft werd ich wohl wieder öfters schreiben müssen..

Befreiung von der Tyrannei

16. Juli 2009

Wie ich bereits schrieb, hatte unsere Chefin 3 Wochen Urlaub in denen es bei uns drunter und drüber ging. Gott sei dank hatte auch ich zwei Wochen Urlaub, welcher sich mit dem Urlaub der Chefin überschnitt. So konnnte ich den ersten Rundumschlag aus dem Weg gehen und ein wenig mein Magengeschwür kurieren, welches vor lauter Wut ziemlich groß geworden ist. Am letzten Tag meines Urlaubs machte ich mich auf den Weg in unseren Laden um meinen Arbeitsplan für die kommende Woche zu erfahren. Zufällig hatte unsere Chefin an diesem Tag Dienst und ich hab mich trotz aller Befürchtungen zu ihr ins Büro gewagt. Sie fing auch tatsächlich an sich aufzuregen und zu meckern, aber entgegen aller meiner Befürchtungen richtete sich ihre Wut nicht gegen mich und unserer Zweitvertretung, sondern tatsächlich gegen unseren Hausdrachen (also die Erstvertretung). Zum einen wahren es berechtigte Vorwürfe und zum anderen eine Verkettung von für sie unglücklichen Zufällen. Und zum ersten Mal sprach unsere Chefin darüber, dass sie den Hausdrachen loswerden will. Bevor ich wieder zu ausschweifend werde, erläutere ich lieber nur den ausschlaggebenden Zufall: Einen Samstag, an dem unser Hausdrache wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachging (den ganzen Tag im Büro sitzen und “Bestellung” machen), kommandierte sie mich dazu ab unsere Aktionsware für Montag fertig zu machen. Da diese Aufgabe extrem Zeitaufwendig ist sagte sie noch dazu, dass ich mich komplett nur darum kümmern soll und sie den Rest übernimmt. Aufgabe ist Aufgabe, also hab ich auch nichts anderes getan. Nun kommen wir aber zum absoluten Highlight: Sie sitzt ja wie üblich im Büro, der Laden sieht aus wie nach einer Naturkatastrophe, es fehlen dutzende Artikel die sie eigentlich hätte rausfahren müssen und plötzlich steht unser aller oberster Bigboss auf der Matte. Im ersten Moment hab ich mich natürlich unheimlich erschrocken, aber nur bis mir einfiel, dass alles was er zu nörgeln hat unser Hausdrache abbekommt. Eigentlich der ideale Zeitpunkt um sie loszuwerden dadchte ich mir, aber bevor icch überhaupt irgendwas machen konnte, hörte ich wie sie mit unserem Bigboss gesprochen hat. Jeder normale Mensch würde seinem Boss respektvoll und freundlich entgegen treten, aber da die Asozialität unseres Hausdrache nicht mmal vor ihm halt macht, hat sie mit ihm gesprochen als wenn er ein Penner von der Mülllkippe wäre. Aus zweiter Hand habe ich erfahren, dass der Bigboss richtig und ich meine richtig RICHTIG stinkig gewesen ist. Naja, wer Wind säht wird Sturm ernten, aber was bekommt man, wenn man Sturm säht? Warten wir es ab…

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema: Unsere Chefin sprach diesen einen Samstag also tatsächlich das erste mal davon unseren Hausdrachen loszuwerden (also dafür zu sorgen, dass sie verstetzt wird). Das klang fast wie ein Traum, denn schon seit Monaten sagten meine Mitarbeiter und ich ihr, wie sich der Hausdrache immer aufführt. An diesem Samstag tat ich dies erstmal nur als flüchtige Bemerkung wärend eines Wutausbruches ab. Gestern allerdings sagte sie mir allerdings, dass sie auf das ganze Theater mit dem Drachen keinen Bock mehr hat und sie sofort wenn unsere Bezirksleiterin aus dem Urlaub wieder da ist mit ihr reden dass der Drache wegkommt. Die Stelle, die dann frei wird, soll ich dann übernehmen. Bleibt abzuwarten wie ich mich in dieser Position schlagen werde, aber ich weiss jetzt schon, dass ich garantiert alles besser machen werde, da ich ja nicht den ganzen Tag im Büro sitze. Demnächst darf ich in den Laden, wo unser Hausdrache ursprünglich herkam aushelfen. Bei meinem ersten Besuch dort vor ca. 2 Jahren bin ich fast wahnsinnig geworden. Denn das scheint seit Jahren schon eine Brutstätte für Drachen zu sein… würg…

Naja, wie es war und was ich in der Zwischenzeit sonst noch so erlebt habe, erfährt der aufmerksame Leser im nächsten Eintrag.

Schlimmer als die Kunden?

10. Juni 2009

Unsere Chefin hat nun seit ca. einer Woche Urlaub und es geht schon drunter und drüber bei uns im Laden. Erst fingen unsere lieben Kunden an durchzudrehen, dann unsere tollen Mitarbeiter aus dem Zentrallager und nun auch noch meine Mitarbeiter im Geschäft. Der Grund dafür ist schlicht und ergreifend unser persönlicher Hausdrachen. Aufmerksame Leser meines Blogs (fast hätte ich selber gelacht) werden sich an meinen Beitrag “Probleme, wo keine sind - Beobachtung 1″ erinnern, denn genau um diese Person handelt es sich hierbei. Bei Denjenigen, die nicht wissen worum es geht, besteht dringender Nachholbedarf. Nun, alle aus meinem Laden wissen, dass der Umgang mit dieser Person manchmal ein wenig schwierig sein kann, jedoch wusste niemand, dass ein kleines bisschen mehr “Macht” ihre selbstsüchtige und den anderen gegenüber asoziale Ader ins unermessliche wachsen lassen würde.

Es begann alles am ersten Urlaubstages unserer Chefin, an dem sie wohl ein wenig krank und aufgrund dessen ein wenig genervt war. Morgens wird unser Azubi, der übrigens großartige Arbeit leistet, mit den Worten “Halts Maul” begrüßt. Desweiteren hat sie mal wieder keinen Finger an unserer Fuhre krumm gemacht, denn immerhin muss sie ja Bestellung machen. Macht Sinn, denn bei einer Restarbeitszeit von 6 Stunden eine Tätigkeit durchzuführen, die normalerweise ca. 2,5 Stunden dauert verdient schon fast einen Preis. Aber da dies täglich passiert will ich da jetzt auch nicht mehr weiter drauf eingehen. kommen wir also zum nächsten Punkt: Wer einen Kalender zur Hand hat wird schnell feststellen, dass morgen ein Feiertag ist. Aus diesem Grund wird braucht man ja immer ein wenig mehr Ware (wenn die Pforte der Hölle sich öffnet und die apokalyptischen Reiter zusammen mit ihrer Familie ausspuckt um einzukaufen braucht man halt viel Ware) das weiß jeder. Leider glaubt diese Person, dass es draußen 30°C sind und man deswegen Grilllfleisch und anderes Zeug in Unmengen braucht. Wer in den Letzten Tagen nicht zufällig in einem versiegeltem Bunker gelebt hat, wird wohl wissen, dass in letzter Zeit nicht das optimalste Grillwetter war. Gestern kloppte ich also das mehr als überflüssige Grillfleisch in die mehr als überfüllten Fleischtruhen, weil mich mein Kollege darum bat. Ich hatte zwar schon längst Feierabend, aber ich sah, dass noch mehr als genug zu tun war. Und als ich so vor mich hin packte hörte ich plötzlich ein “Tschüss und viel Spaß noch”. Ich war verblüfft, dass die Person schon überpünklich ging während ich länger machen dürfte (Anmerkung: Wir hatte um die gleiche Zeit Feierabend laut Plan). Wie mir mein Kollege berichtete hatte sie “Termine” und musste deshalb gehen. Termine die ich wegen meiner 1,5 Überstunden verschieben musste schienen gegen ihre Termine so unbedeutend wie ein Tropfen Wasser in der Wüste zu sein. Aber all das ist nichts im Vergleich zu dem, was heute passiert ist: Der Tag lief eigentlich einigermaßen gut bis um 19:30 Uhr unser Bezirksleiter angerufen hat, um zu Fragen ob wir unser Kühlregal schon nach dem neuen Plan umgeräumt haben. Ich war überrascht, denn ich hatte den ganzen Tag lang die Kühlung bis oben hin vollgepackt und es war alles noch so wie immer. Ich sagte also, dass ich nichts von einem neuen Plan wüsste und das auch nichts im Büro liegen würde. unser BL war da anderer Meinung und sagte mir, dass es schon längst hätte fertig sein müssen und dass der Bigboss höchstpersönlich rumgeht um das zu kontrollieren. Und während mir das Blut gefriert versicherte mir unser BL, dass er mir am Freitag dabei helfen wird. Später fand ich die Unterlagen tatsächlich im Lager, wo vermutlich die gewisse Person sie hingelegt hatte am Anfang der Wochen. Nun darf ich am Freitag wieder kostenlose Überstunden schieben um den Mist fertig zu bekommen. Manche werden sich nun fragen, warum das denn nicht diese Person macht und die Antwort ist ganz einfach: Sie hat sich natürlich mit frei eingetragen. Zufall? Wohl kaum…

Demnächst darf sie auch die Beurteilungen über unsere Azubis schreiben, wo es zum Beispiel um Pünklichkeit, Lern- & Arbeitsbereitschaft usw. geht. Die Azubis tun mir jetzt schon leid, denn was da drin stehen wird kann einfach nichts Gutes werden .

Probleme, wo eigentlich keine sind

17. Mai 2009

Seit einiger Zeit passieren wirklich die kuriosesten Dinge um mich herum und da ich mittlerweile offiziell stellvertretender Filialleiter bin, kann ich den ganzen Mist nicht mehr ignorieren. Da es sich nicht lohnt für alles was einzelndes zu schreiben, weil das vermutlich eh keiner liest, fasse ich hier mal einiges zusammen.

Beobachtung 1 - “Wir müssen uns beeilen!”

In unseren Geschäften gilt folgende Hierarchie: Fillialleiter, Erstvertretung, Zweitvertretung, Drittvertretung (das bin ich momentan) und die normalen Mitarbeiter. Unsere Erstvertretung hat manchmal bzw. immer kein Bock und setzt sich dann mal für mehrere Stunden ins Büro um “Bestellung” zu machen. An einem Tag fing ich um 10.30 Uhr an zu arbeiten und da sagte sie zu mir, dass wir uns beeilen müssen, weil ja noch so viel zu tun wäre. Keine 10 Minuten später verschwand sie im Büro und da kam sie bis zu ihrem Feierabend (16 Uhr!!!) auch nicht mehr raus. Ich durfte mich da abhetzten, weil ja wirklich noch sauviel zu tun war und sie hockt im Büro und macht “Bestellung”. Zur Erläuterung: Ich habe bisher erst zweimal eine Bestellung durchgeführt und brauchte als Anfänger jeweils ca. 2- 2,5 Stunden dafür. Je geübter man ist, desto schneller gehts auch und sie macht das wirklich schon seit ein paar Jahren.

Beobachtung 2 - Wenn Kellerkinder an die Macht kommen
Unser Geschäft ist eines der Umsatzstärksten im Umkreis und dementsprechend brauchen wir auch viel Ware, was wiederum bedeutet, dass wir auch täglich einen LKW beanspruchen müssen. Aber unsere Zentrale kam wieder auf eine wundervolle Idee: Wir streichen denen mal einfach komplett die Montagslieferung mit der Begründung, dass wir die so fehlenden Palletten dann die restlichen Tage mitbestellen können. Kling im ersten Moment vielleicht garnicht schlecht, wenn da bloß dieser winzige Haken an der Sache nicht wäre: Die restlichen Fuhren für uns sind schon bis zum Limit voll. Also fehlen uns so ca. 34 Palletten in der Woche, die wir ja nicht mehr verkaufen können. Zum Glück haben die Kellerkinder aus der EDV-Abteilung ihre Rechnung ohne meine Chefin gemacht. Nach Lautstarken Einwänden konnte der Plan so umgebaut werden, dass wir zumindest 26 Palletten bekommen. Das ist alles echt so unnötig…

Beobachtung 3 - “Repariert zurück”

Seit einiger Zeit dürfen unsere LKWs keine eigenen elektronischen Hubwagen (kurz: Ameise) mehr mit sich führen und so sind dessen Fahre dann immer auf die Ameisen in den Geschäften angewiesen. Darum muss jedes Geschäft selbstständig dafür sorgen, dass die Ameisen immer volll aufgeladen sind. Außerdem, da jetzt haufenweise Ameisen “über” waren, würden alle Steinzeitmodelle in den Läden gegen “neuere” Modelle ausgetauscht. Und da unser Laden ja einer der Umsatzstärksten ist, bekommen wir natürlich den aller letzten Schrott. Man kann keine Palletten vernünftig damit fahren und die Batterie ist nach 10 Minuten leer. Also rufen wir dann im Lager an um bescheid zu sagen und schicken die dann dahin, damit sie repariert werden kann. Also durften wir dann die schweren Getränkepalletten mit den normalen Hubwagen durch die Gegend ziehen. Nach 3 Tagen kam das gute Stück dann zurück mit dem Hinweis: Ihr müsst die über Nacht auch aufladen! Ich war im ersten Moment so perplex, dass ich garnicht wusste was ich dazu sagen sollte. Da stellen die uns als dumm da und sind selber zu blöd die Ameise zu reparieren, denn das Problem war noch lange nicht behoben. Wie auch? Immerhin haben die Mechaniker aus dem Zentrallager die Ameise aufgeladen und sind zweimal hin und her gefahren und haben gesagt, dass das Ding funktioniert. Das Spiel zog sich dann über Wochen(!) hinweg, bis die es dann doch mal fertig gebracht haben die Batterie komplett auszutauschen, was allerdings nicht bedeutet, dass das Ding jetzt vernünftig funktioniert. Denn Schrott bleibt Schrott, egal was man macht..

Der 30. April

15. Mai 2009

Jaja, der 30. April… Eigentlich ein ganz normaler Tag möchte man meinen, wäre da allerdings nicht der Feiertag am 01. Mai. Fast drei Wochen habe ich nach Begriffen und Bezeichnungen gesucht, die diesem Tag gerecht werden könnten. Dank Rave84, einem Mitstreiter im Kampf gegen die täglichen Probleme des Einzelhandels, konnten wir doch noch etwas finden was den Tag treffend bezeichnet: Das Familienfest der apokalyptischen Reiter. An diesem Tag brachen wir jegliche Umsatz- und Kundenzahlenrekorde in einer Art und Weise, die in der momentanen Wirtschaftskrise eigentlich unmöglich ist. Ich erinnere mich noch sehr gut an jenen verhängnisvollen Tag. Als sich um 8 Uhr morgens unsere Ladentüren öffneten, kam mir das eher wie eine Szene aus einem schlechten Horrorfilm vor. Mir erschien es fast so, als hätte man alle Zombies aus den gesamten Resident Evil Filmen + den Spielen mit Heuschrecken gekreuzt und ihnen noch den menschlichen Willen Hamsterkäufe zu tätigen gegeben, nur um sie dann vor unserem Laden auszusetzen. Wir konnten die Ware garnicht so schnell nachräumen, wie die Leute sie aus den Regalen genommen haben. Wobei es schon recht schwierig ist Ware ins Regal zu räumen, wenn die verehrte Kundschaft permanent im Weg steht bzw. mich und meine Mitarbeiter ständig ins Regal schubst, weil sie nicht vorbei kommen. Und dann kommt noch dazu, dass die Kunden immer genau da vorbei wollen, wo man gerade mit der Pallette steht. Obwohl sie aus dem Gang nichts brauchen und auch durch einen anderen Gang hätten gehen können, aber nein es muss der Gang sein wo unsereins mit Lichtgeschwindigkeit am packen ist. So zog sich das den ganzen Tag über, bis abends nur noch die Säuferrotte übrig war, die noch ihre Spritreserven auffüllen mussten. Die haben wir dann eine halbe Stunde nach Ladenschluss letztendlich aus dem Laden fegen können. Aber wie heißt es so schön: Vor dem Feiertag ist nach dem Feiertag. Und dieses Jahr fiel der 2.Mai auf einen Samstag, rein zufällig mein Geburtstag. Meine Chefin war auch so nett und hat das ignoriert nur um mich arbeiten zu lassen und zwar von anfang bis ende. Gott sei Dank waren die meißten Familienmitglieder der apokalyptischen Reiter bereits wieder nach Hause gegangen  und so war es nicht ganz so voll. Wobei “nicht ganz so voll” hier bedeutet: im Vergleich zu Donnerstag (Freitag war ja der Feiertag). So bin ich nicht um ein Jahr gealtert, sondern eher um 10 Jahre. Und die Feiertagssaison hat ja gerade erst angefangen…

Gehirnleer

12. April 2009

Ausnahmsweise hatte ich mal Spätdienst an diesem wunderbaren und sonnigen Samstag, denn normalerweise muss mann den ganzen Tag durchknüppeln. Wieder einmal durfte ich mich durch eine ganze Blechlawine wühlen und stundenlang auf einen Parkplatz hoffen. Dank des vergangenen Feiertages konnnte ich wenigstens ein wenig Energie tanken, welche ich auch bitter nötig haben werde. Dank meinner mittlerweile wieder gesteigerten Reflexe holte ich mir diesmal deutlich weniger blaue Flecken als noch zwei Tage zuvor. Aber ich holte mir trotzdem welche. Von wegen alte Leute… Sobald die einen EKW in der Hand haben übersteigt ihr Geschick und ihre Geschwindigkeit einen volll durchtrainierten 18-jährigen. Wieder einmal begrüßt mich das höhnische Pfeifen unserer Leergutautomaten, welches ich aber ganz gepflegt ignoriere. An den Kassen bot sich wieder einmal ein gewohntes Bild von voll besetzten Kassen und Schlangen quer durch den ganzen Laden. Ein Blick auf unsere Kunden genügt mir, um zu sehen, dass der größte Teil bereits Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag (Freitag war ja der Feiertag) da war und bereits jeden Tag für über hundert Euro eingekauft hat. Ist ja klar, dass eine durchschnittliche vierköpfige Familie an einem Feiertag Lebensmittel im Wert von ca. 300 Euro verfrisst. Dieses Nahrungsmittelloch muss natürlich wieder gefüllt werden, denn es warten ja der Sonntag (Ostern) und Montag (Feiertag). Jeder der nicht als typischer Kunde gilt, wird jetzt folgendes rechnen können: 300 EUR für die Vorratskammer + 100 EUR Nahrung für Samstag + 300 EUR für Sonntag + 300 EUR für Montag + 100 EUR für Dienstagmorgen, da man mit leerem magen nicht einkaufen(!!!) gehen kann, macht = 1.100 EUR. Dank meines kleinen Rechenbeispiels kann man jetzt den ungefähren Durchschnittseinkauf pro Kunden erkennen. Nach jahrelanger Kundenstudie kann ich mittlerweile auch behaupten, dass die angeblichen “Stoßzeiten”, also die Zeit, wo alle gleichzeitig einkaufen kommen, tatsächlich von einer geheimen Organisation gezielt so gelegt werden, um ehrliche Arbeiter an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Zur Erläuterung: Der typische Standartkunde wird nicht erst durch Umwelteinflüsse, die jeder ausgesetzt ist, zu einem solchen - nein, sie werden gezielt hergestellt und zwar von dieser geheimen Organisation. Folgende Zutaten konnte ich bisher herausfinden: eine Prise Freundlichkeit (Optional und auch nur bei etwa 3% hinzugefügt worden), eine Prise Intelligenz (ebenfalls optional), zwei Schaufeln von Ich-find-nix-obwohl-ich-direkt-davor-stehe und ganz wichtig scheinen die 5 LKWs voll der-Kunde-ist-König-also-krieche-vor-mir-du-Wurm zu sein. Teilweise scheinen auch noch Zusätze wie Ich-beschwere-mich-grundlos und Ich-schmeiß-alles-was-ich-nicht-haben-willl-in-die-Tiefkühltruhe eine Rolle zu spielen, allerdings konnte ich die genaue Dosierung noch nicht feststellen. Aber nun zurück zum ursprünglichen Faden. Nachdem ich mal wieder in unserem 200°C warmen Laden die gesamte Fuhre verräumt habe, sah ich aus wie eine Rosine, oder besser wie eine Mumie. Gestresst von den Kunden, ausgetrocknet von der Arbeit (Spritlieferung..geil). Irgendwann konnnte ich endlich allles und jeden ignorieren, wofür ich beinahe von den Kunden umgebracht worden wäre, und ins Lager gehen konnte. Dort angekommen schüttete ich mir gleich 3 Liter Eistee in den Kopf um wenigstens die Dehydrierung zu bekämpfen, allerdings nicht für lange, wie es sich anhörte. Ich hörte nämlich einen LKW auf die Laderampe fahren und ich wusste auch schon wer mich blöd angrinsen wird, wenn ich die Tür öffne. Es war einer unserer Direktlieferanten mit einer ganzen Ladung voll Tiefkühlkost, die natürlich gepackt werden wollte. Damit fing ich gleich an, nachdem ich unseren lieferanten wieder vom Hof gejagt hatte. Allerdings hatte ich eine kleine Eigenschaft unsere kunden im Laufe meines Urlaubs vergessen und zwar, dass sie sich immer, wirklich IMMER, Ware von einer Palette nehmen müssen. Es ist ihnen auch vollkommen egal, ob noch etwas im Regal bzw. in der Truhe ist und genauso ist es ihnen egal, ob sie die Artikel von der Palette überhaupt kaufen wollten. Scheißegal, hauptsache ich hab was von einer Palette.. Nun, da mag ja jetzt erstmal nichts schlechtes dran sein, möchte man denke, denn je mehr die Kunden da runter nehmen, desto weniger muss man selber in die Truhe schmeißen. Also zurücklehnen und zuschauen wie die Palette von alleine verschwindet? Denkste! Der typische Standartkunde will nämlich immer den Artikel haben, der auf der Palette ganz unten ist und wenn man sich nicht beeilt nehmen sich die Kunden auch diesen Artikel, ganz egal wie. das dass nicht gerade förderlich für die stabilität der Palette ist dürfte jedem Nicht-Kunden auch ohne Studium klar sein. Und so kann es passierenn, dass ganz einfach mal eine komplette Palette durch die Gegend fliegt. Aber was macht in so einem Fall der typische Standartkunde? Entschuldigen? Nicht in diesem Leben. Helfen? Träum weiter. Nein, er sagt (Achtung, jetzt kommts!) :”Können sie nicht aufpassen? Es hätte sich jemand verletzen können.” Und das sagt er in mein schmerzverzerrtes Gesicht, während ich mir den Fuß halte, weil da 3 Kisten voll Spinat draufgefallen sind. Aber ich bin ja nicht so, denn auch Kunden sind nur Kunden und können auch nichts dafür, dass sie so sind wie sie sind. Bevor ich von den 300 Spartanern äh Kunden gefressen werde, weil ich den Gang mit meiner Tiefkühlkost versperre, räume ich die Ware in Lichtgeschindigkeit in die Kühltruhen. Die zweite Paletteknte ich zum Glück rechtzeitig mit unserem Pappwagen tarnen, do dass sie von unseren Kunden nicht erkannt wurde. Und doch konnten sie sehen, dass ich Tiefkühlkost gepackt habe. Aber kunden wären nicht Kunden, wenn sie nicht immer und ständig nach einer Kasse fragen würden. So fragten sie auch mich und das obwohl schon all unsere Kassen zu dem Zeitpunkt ausgereizt waren und ich immer noch eine Tiefkühlpalette da stehen hatten. Zu unseren kunden kann ich sowas natürlich nicht sagen, deswegen sagte ich ganz einfach: “Kühlkette?!”  in einem leichtbehinderten Ton und deutete auf die Palette während mir ein wenig Speichel aus dem Mundwinkel lief. Bingo, genau das Niveau des Kunden getroffen, denn er nickte und ging wieder. Zum Glück brach wenig später schon die ruhige Zeit an, weswegen wir gut mit der Arbeit voran kamen und nur eine Stunde unbezahlt länger machen mussten. Übrigens war das einzige was man von einer meiner Kolleginnen hörte das Wort “Gehirnleer” in Bezug auf die Kunden, weswegen ich das auuch gleich mal als Titel aufgegriffen habe. Aber wenigstens konnte ich gestern Abend mein kaltes Bier genießen, denn der Dienstag nach dem Feiertagen kommt gewiss…

…und plötzlich ist Ostern!

10. April 2009

Zwei Wochen + zwei Tage Urlaub hatte ich und dann fährt man nichts Böses ahnend und völlig gut gelaunt zur Arbeit. Das Radio dudelte mal wieder gute Musik und es war richtig schön warm, weil die Sonne ausnahmsweise mal wieder von oben herab lacht. Ironisch dachte ich mir, als ich auf einen völlig überfüllten Parklatz fahre. Einem Parkplatz, der eher einem Schlachtfeld gleichte. Diejenigen, die nicht drängelten, schubsten, schrien oder fluchten, versteckten sich vor Angst zitternt in ihren Autos und beteten, dass ihre Lebensgefährten gesund und schnell zurückkommen würden. All die, die es durch die Autokolonne auf die Hauptsraße geschafft um ihren Kofferraum voll Lebensmittel nach Hause zu schaffen wünschte ich viel Glück, denn beim Ausladen werden wohl einige unter dem Einkauf begraben werden. Ich schnappte also einer Oma, die das Gaspedal mit der Kupplung verwechselte, den Parkplatz weg und rauchte noch genüsslich eine. Ich bemerkte, dass meine Hände zitterten, jedocch nicht vor Angst. Es war die pure Vorfreude, weil ich schon genau wusste was passieren wird, wenn ich den Laden betrete…

Alte Leute und ihre Einkaufswagen (EKW), eine explosive Mischung wie mir schlagartig klar wurde, als ich es geschafft hatte durch die Eingangstür zu kommen. Da mein Körper ein wenig träge geworden war, konnte ich den ganze EKW nicht mehr rechtzeitig ausweichen, weswegen ich mir den einen oder anderen blauen Fleck kassierte. Und kaaum hatte ich den Eingangsbereich passiert, da hörte ich auch schon das unangenehme Pfeifen unserer Automaten, doch bevor mich mindestens 20 Kunden deswegen umbringen können, lass ich mir von einer Kollegin den Schlüssel für unseren Aufenthaltsraum zu werfen, wo ich dann auch gleich hinsprinte. Was mir der Parkplatz prophezeit hat, wurde nun bittere Realität… Während ich zum Aufenthaltsraum ging sah ich, was tatsächlich im Laden los war: Die vier apokalyptischen Reiter erscheinen morgen und nehmen alle Lebensmittel der Welt mit, dachte ich mir, obwohl das vermutlich noch zu milde ausgedrückt wäre. Ich trank noch einen Kaffee und zog in aller Ruhe meinen Kitttel an. Danach legte ich meine Wertsachen zusammen mit meiner Seele in den Spint, denn ein funktionierender Körper ist alles, was man an so einem Tag brauchen wird. Ich öffnete die tür und ließ mich einfach nur noch treiben. Nach einer Ewigkeit, was etwa einer halben Stunde entspricht, fing ich an mir den Feierabend herbei zu sehnen. Um mich herum waren Kunden, die mich immer wieder mit der gleichen Frage nervten, immer wieder den gleichen Joghurt durch den Laden warfen und immer wieder im Weg standen. Die Temperatur um mich herum betrug mittlerweile so um die 68°C und Hitze macht mich aggressiv. Aggressionen kann ich allerdings an unseren Kunden nicht auslassen, also schlucke ich sie runter, wodurch mir noch wärmer wird. Während ich die gerade angelieferte Fuhre verräume und den Tag meiner Geburt verfluche, kommmt die nächste Hiobsbotschaft: Eine Kollegin hat Feierabend und ich darf mich in die Kasse setzen. Der eine oder andere mag jetzt denken, dass das ein Ort der Entspannung ist, wo man nicht viel zu tun hat, aber dem sei gesagt, dass an so einem Tag eine übermenschliche Konzentration gefragt ist. Bist du zu langsam oder machst du auch nur einen Fehler, würden hunderte voon Kunden sich auf dich stürzen und dich verbrennen, erschießen, vierteilen und erhängen, in dieser Reihenfolge.

Nachdem also so ca. die Hälfte der Erdbevölkerung bei uns ihre Konserven und andere langjährig haltbaren Lebensmittel im Wert von mehreren hundert Euro pro Kopf eingekauft hatte, war es plötzlich 20 Uhr. Ich konnte es fast garnicht glauben, aber ich konnte tatsächlich den Laden schließen und auch sauber machen, nachdem ich um 20.30 Uhr den letzten Kunden rausgefegt hatte, der sich noch lautstark deswegen beschwerte. Nachdem ich irgendwann um 22 Uhr zu Hause ankam, legte ich mich auch gleich schlafen, denn die Osterwoche ist noch nicht vorbei, zwei lange Tage warteten auf mich. Mittlerweile ist es heute gesehen nur noch einer und das wird der schlimmste werden… Samstag!

Vorwort

10. April 2009

Herzlich Willkommen,

wenn du dich schonmal hierher verirrt hast, dann muss ich dir ja auch ein bisschen was bieten können. Vermutlich wirst du dich jetzt fragen, was der ganze mist hier soll und ob es nicht schon genug Kacke im Internet gibt. Nun, da würde mir nur eins zu einfallen: Du hast recht! Aber (ja, es gibt ein aber), da jeden Tag etwas seltsames und lustiges passiert dachte ich mir, dass man das mal in schriftlicher Form festhalten müsste. Nun aber genug mit dem Vorwort, sonst schläfst du noch ein ^^

Alsooo, ich arbeite bereits seit Jahrzehnten (seit 2005) bei einem mehr als namenhaften Lebensmitteldiscounter, dessen Name nicht Lidl ist. Die beiden mögen sich genauso gerne wie McDonalds und BurgerKing und das Geschäft, in dem ich arbeite hat als Hauptfarbe ebenfalls blau. Wer es jetzt noch nicht herrausgefunden hat, der sollte sich mal untersuchen lassen. Aber ich schweife ab… Also nachdem ich meine Lehre ausgezeichnet abgeschlossen habe, übertrug man mir eine gehobene Position im Geschäft. Nach diesen Tatsachen fing ich also an mich für klug zu halten und beobachtete unsere Kunden. Da mein Gehirn langsam überquillt, schreibe ich diesen Blog.

Oh man ist das ein Blödsinn. All die kostbare Zeit die hier für draufgegangen ist -.-



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