Ausnahmsweise hatte ich mal Spätdienst an diesem wunderbaren und sonnigen Samstag, denn normalerweise muss mann den ganzen Tag durchknüppeln. Wieder einmal durfte ich mich durch eine ganze Blechlawine wühlen und stundenlang auf einen Parkplatz hoffen. Dank des vergangenen Feiertages konnnte ich wenigstens ein wenig Energie tanken, welche ich auch bitter nötig haben werde. Dank meinner mittlerweile wieder gesteigerten Reflexe holte ich mir diesmal deutlich weniger blaue Flecken als noch zwei Tage zuvor. Aber ich holte mir trotzdem welche. Von wegen alte Leute… Sobald die einen EKW in der Hand haben übersteigt ihr Geschick und ihre Geschwindigkeit einen volll durchtrainierten 18-jährigen. Wieder einmal begrüßt mich das höhnische Pfeifen unserer Leergutautomaten, welches ich aber ganz gepflegt ignoriere. An den Kassen bot sich wieder einmal ein gewohntes Bild von voll besetzten Kassen und Schlangen quer durch den ganzen Laden. Ein Blick auf unsere Kunden genügt mir, um zu sehen, dass der größte Teil bereits Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag (Freitag war ja der Feiertag) da war und bereits jeden Tag für über hundert Euro eingekauft hat. Ist ja klar, dass eine durchschnittliche vierköpfige Familie an einem Feiertag Lebensmittel im Wert von ca. 300 Euro verfrisst. Dieses Nahrungsmittelloch muss natürlich wieder gefüllt werden, denn es warten ja der Sonntag (Ostern) und Montag (Feiertag). Jeder der nicht als typischer Kunde gilt, wird jetzt folgendes rechnen können: 300 EUR für die Vorratskammer + 100 EUR Nahrung für Samstag + 300 EUR für Sonntag + 300 EUR für Montag + 100 EUR für Dienstagmorgen, da man mit leerem magen nicht einkaufen(!!!) gehen kann, macht = 1.100 EUR. Dank meines kleinen Rechenbeispiels kann man jetzt den ungefähren Durchschnittseinkauf pro Kunden erkennen. Nach jahrelanger Kundenstudie kann ich mittlerweile auch behaupten, dass die angeblichen “Stoßzeiten”, also die Zeit, wo alle gleichzeitig einkaufen kommen, tatsächlich von einer geheimen Organisation gezielt so gelegt werden, um ehrliche Arbeiter an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Zur Erläuterung: Der typische Standartkunde wird nicht erst durch Umwelteinflüsse, die jeder ausgesetzt ist, zu einem solchen - nein, sie werden gezielt hergestellt und zwar von dieser geheimen Organisation. Folgende Zutaten konnte ich bisher herausfinden: eine Prise Freundlichkeit (Optional und auch nur bei etwa 3% hinzugefügt worden), eine Prise Intelligenz (ebenfalls optional), zwei Schaufeln von Ich-find-nix-obwohl-ich-direkt-davor-stehe und ganz wichtig scheinen die 5 LKWs voll der-Kunde-ist-König-also-krieche-vor-mir-du-Wurm zu sein. Teilweise scheinen auch noch Zusätze wie Ich-beschwere-mich-grundlos und Ich-schmeiß-alles-was-ich-nicht-haben-willl-in-die-Tiefkühltruhe eine Rolle zu spielen, allerdings konnte ich die genaue Dosierung noch nicht feststellen. Aber nun zurück zum ursprünglichen Faden. Nachdem ich mal wieder in unserem 200°C warmen Laden die gesamte Fuhre verräumt habe, sah ich aus wie eine Rosine, oder besser wie eine Mumie. Gestresst von den Kunden, ausgetrocknet von der Arbeit (Spritlieferung..geil). Irgendwann konnnte ich endlich allles und jeden ignorieren, wofür ich beinahe von den Kunden umgebracht worden wäre, und ins Lager gehen konnte. Dort angekommen schüttete ich mir gleich 3 Liter Eistee in den Kopf um wenigstens die Dehydrierung zu bekämpfen, allerdings nicht für lange, wie es sich anhörte. Ich hörte nämlich einen LKW auf die Laderampe fahren und ich wusste auch schon wer mich blöd angrinsen wird, wenn ich die Tür öffne. Es war einer unserer Direktlieferanten mit einer ganzen Ladung voll Tiefkühlkost, die natürlich gepackt werden wollte. Damit fing ich gleich an, nachdem ich unseren lieferanten wieder vom Hof gejagt hatte. Allerdings hatte ich eine kleine Eigenschaft unsere kunden im Laufe meines Urlaubs vergessen und zwar, dass sie sich immer, wirklich IMMER, Ware von einer Palette nehmen müssen. Es ist ihnen auch vollkommen egal, ob noch etwas im Regal bzw. in der Truhe ist und genauso ist es ihnen egal, ob sie die Artikel von der Palette überhaupt kaufen wollten. Scheißegal, hauptsache ich hab was von einer Palette.. Nun, da mag ja jetzt erstmal nichts schlechtes dran sein, möchte man denke, denn je mehr die Kunden da runter nehmen, desto weniger muss man selber in die Truhe schmeißen. Also zurücklehnen und zuschauen wie die Palette von alleine verschwindet? Denkste! Der typische Standartkunde will nämlich immer den Artikel haben, der auf der Palette ganz unten ist und wenn man sich nicht beeilt nehmen sich die Kunden auch diesen Artikel, ganz egal wie. das dass nicht gerade förderlich für die stabilität der Palette ist dürfte jedem Nicht-Kunden auch ohne Studium klar sein. Und so kann es passierenn, dass ganz einfach mal eine komplette Palette durch die Gegend fliegt. Aber was macht in so einem Fall der typische Standartkunde? Entschuldigen? Nicht in diesem Leben. Helfen? Träum weiter. Nein, er sagt (Achtung, jetzt kommts!) :”Können sie nicht aufpassen? Es hätte sich jemand verletzen können.” Und das sagt er in mein schmerzverzerrtes Gesicht, während ich mir den Fuß halte, weil da 3 Kisten voll Spinat draufgefallen sind. Aber ich bin ja nicht so, denn auch Kunden sind nur Kunden und können auch nichts dafür, dass sie so sind wie sie sind. Bevor ich von den 300 Spartanern äh Kunden gefressen werde, weil ich den Gang mit meiner Tiefkühlkost versperre, räume ich die Ware in Lichtgeschindigkeit in die Kühltruhen. Die zweite Paletteknte ich zum Glück rechtzeitig mit unserem Pappwagen tarnen, do dass sie von unseren Kunden nicht erkannt wurde. Und doch konnten sie sehen, dass ich Tiefkühlkost gepackt habe. Aber kunden wären nicht Kunden, wenn sie nicht immer und ständig nach einer Kasse fragen würden. So fragten sie auch mich und das obwohl schon all unsere Kassen zu dem Zeitpunkt ausgereizt waren und ich immer noch eine Tiefkühlpalette da stehen hatten. Zu unseren kunden kann ich sowas natürlich nicht sagen, deswegen sagte ich ganz einfach: “Kühlkette?!” in einem leichtbehinderten Ton und deutete auf die Palette während mir ein wenig Speichel aus dem Mundwinkel lief. Bingo, genau das Niveau des Kunden getroffen, denn er nickte und ging wieder. Zum Glück brach wenig später schon die ruhige Zeit an, weswegen wir gut mit der Arbeit voran kamen und nur eine Stunde unbezahlt länger machen mussten. Übrigens war das einzige was man von einer meiner Kolleginnen hörte das Wort “Gehirnleer” in Bezug auf die Kunden, weswegen ich das auuch gleich mal als Titel aufgegriffen habe. Aber wenigstens konnte ich gestern Abend mein kaltes Bier genießen, denn der Dienstag nach dem Feiertagen kommt gewiss…